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SIRIS - Allgemeine Informationen

Einleitung
Mit der  steigenden Lebenserwartung nehmen die degenerativen Erkrankungen des Bewegungsapparates zu. Moderne Anästhesieverfahren machen die Implantation von Kunstgelenken auch bei betagten Menschen möglich. Auf der anderen Seite erlauben Fortschritte bei den Materialien und Operationstechniken den Gelenksersatz bei immer jüngeren Menschen.

Steigerung der Lebensqualität
Der Nutzen der Endoprothetik für Betroffene wie für die Gesellschaft ist unbestritten gross. Die Lebensqualität verbessert sich markant. Betagten wird ein schmerzfreies Leben in Selbständigkeit ohne Pflegeunterstützung ermöglicht. Bei jüngeren Menschen kann die Arbeitsfähigkeit über Jahre erhalten  werden.

Wirtschaftsfaktor
In der Schweiz werden derzeit rund 20'000 künstliche Hüftgelenke und 16'000 künstliche Kniegelenke pro Jahr implantiert. Eindrücklich sind die jährlichen Zuwachsraten von 1% bei den Hüftgelenken und 4 – 5% bei den Kniegelenken. In der der Schweiz produzieren oder vertreiben 13 Firmen solche Kunstgelenke, die von rund 600 Ärztinnen und Ärzten in 150 Spitäler implantiert werden. Damit ist die Endoprothetik ein nicht zu vernachlässigender Wirtschaftfaktor.


Die Einrichtung eines nationalen Implantatregisters war ein Gebot der Stunde. Mit SIRIS wird ein wichtiger Beitrag zur Qualitätskontrolle und Patientensicherheit geleistet. Ab 1. September 2012 ist das Registrieren der Hüft- und Knieprothesen obligatorisch.



SIRIS - Was ist das?
Informationsquelle für Patientensicherheit
Im Schweizerischen Implantat-Register SIRIS werden Daten gesammelt, um Versorgungsqualität und Patientensicherheit zu erhöhen. Anhand der gesammelten Daten kann die Qualität einzelner Spitäler und die Qualität einzelner Produkte gemessen und verglichen werden, sodass Patienten künftig bestmöglichst versorgt werden.
SIRIS beschränkt sich vorerst auf Implantaionen von künstlichen Knie- und Hüftgelenken. In einem späteren Stadium können auch Patienten, die auf andere Implantate angewiesen sind, von den Vorteilen der SIRIS-Qualitätssicherung profitieren.

 

SIRIS - Was bringt das?
Komplikationen erkennen und vermeiden
Bei jedem Eingriff können Komplikationen wie Infektionen, vermehrte Blutung oder Thrombo-Embolien auftreten. Für den Betroffenen stellt dies meist ein schweres Schicksal dar. Allen Prophylaxemassnahmen zum Trotz lassen sich Komplikationen nicht vollständig vermeiden. Deshalb ist es für Spital und Operateure wichtig zu wissen, ob bei ihnen im Vergleich zu Anderen überdurchschnittlich viele oder unterdurchschnittlich wenige Komplikationen auftreten. Weil in der wissenschaftlichen Literatur nur Vergleichswerte mit geringer Aussagekraft zu finden sind, muss der Qualitätsdurchschnitt für die Versorgung in der Schweiz zunächst ermittelt werden, indem eine möglichst grosse Anzahl von Implantationen über einen langen Zeitraum beobachtet wird. Dies ist der Zweck des Schweizerischen Implantat-Registers SIRIS. Erst aus dem Vergleich mit dem ermittelten Durchschnittswert, aber auch mit den eigenen früheren Werten, können Spitäler und Operateure ersehen, wie hoch die Qualität ihrer Arbeit wirklich ist. Stellt zum Beispiel ein Spital fest, dass im Vergleich zu anderen Spitälern oder zum eigenen Vorjahresergebnis seine Infektionsrate hoch ist, wird es rasch Korrekturmassnahmen treffen.


Implantatversagen erkennen und vermeiden

Wie bei allen hoch technischen Verfahren kann es auch in der Endoprothetik zu unerwünschten Ereignissen kommen. Immer wieder finden Implantatversagen grosse mediale Beachtung. Vor rund 10 Jahren wurde die Öffentlichkeit in den USA aufgeschreckt durch Probleme mit Hüftgelenkspfannen, die wegen Verunreinigungen vorzeitig locker wurden und ausgewechselt werden mussten. Gehäufte Bolzenbrüche eines neuen Hüftprothesen- Modells mit modular aufsteckbarem Hals führten vor rund zwei Jahren in den deutschen Medien zu Schlagzeilen. Diesen und anderen bekannt gewordenen Implantatversagen war gemeinsam, dass längere Zeit verstrich, bis die verschiedenen betroffenen Spitäler und Kliniken realisierten, dass es sich nicht um Einzelfälle, sondern um ein systemisches Problem handelt. Zentrale Register, wie sie in Skandinavien seit knapp 20 Jahren geführt werden, hätten die Probleme viel früher erkennen lassen. Ein solches Frühwarnsystem wie SIRIS senkt die Zahl der vom Schaden betroffenen Patientinnen und Patienten markant.

 

SIRIS - Wie geht das?
Umfang der Datenbank
Die „Stiftung für Qualitätssicherung in der Implantationsmedizin“ beschränkt sich vorerst auf die Sammlung von Daten von Knie- und Hüftimplantationen. Neben den Angaben zum Implantat und zum Leistungserbringer werden auch patientenspezifische Daten gesammelt. Damit soll die Rückverfolgbarkeit jedes Implantates zum Patienten sichergestellt werden. Die Daten werden verschlüsselt übermittelt, werden jederzeit vertraulich behandelt und soweit möglich anonymisiert.

Auswertungen

Mit einer zentralen Datenbank sind Aussagen über das Langzeitverhalten von Implantaten und medizinischen Eingriffen möglich. Die sogenannte „survival rate“ eines Produktes wird mit der Kaplan-Meier-Kurve dargestellt. Damit sind Vergleiche verschiedener Materialien, Techniken, Produkte möglich. Werden diese Ergebnisse der Langzeitbeobachtung mit den ursprünglichen Kosten in Verbindung gebracht, lassen sich Kosten-Nutzen-Berechnungen einzelner Operationsverfahren und Implantate anstellen.


Datenerfassung

Mit der technischen Betreuung der Datenbank ist dasInstitut für Evaluative Forschung in der Medizin IEFM, bekannt auch als MEM Forschungszentrum der Universität Bern betraut. Der Datentransfer erfolgt verschlüsselt auf elektronischem Weg.  Bei einer Re-Operation, insbesondere beim Entfernen oder Auswechseln eines Implantates erfolgt eine weitere Registermeldung.



Nützliche Links und weitere Informationen:
  www.siris-implant.ch 
  Benutzerreglement 
  Broschüre